JAKUB STEFEK | PORTFOLIO
Louis Lewandowski
Września 1821 - 1894 Berlin

Die Encyclopedia Britannica führt Louis Lewandowski als polnischen Komponisten, andere Lexika klassifizieren ihn jedoch als deutsch-jüdischen Komponisten.[1]
Louis Lewandowski wurde 1821 in Września geboren, das damals zum Großherzogtum Posen gehörte, welches 1815 aus einem Teil des Herzogtums Warschau hervorgegangen war.[2] Im Alter von dreizehn Jahren zog Lewandowski aufgrund des Todes seiner Mutter und der bitteren Armut seiner Familie nach Berlin, um als Sänger im Chor des Kantors Ascher Lion zu arbeiten. Während seines Aufenthalts in der preußischen Hauptstadt lernte Lewandowski Alexander Mendelssohn kennen, der sein Förderer wurde und ihm die Aufnahme an der Königlichen Akademie der Künste in Berlin ermöglichte – einer Schule, die zuvor jüdische Studenten abgewiesen hatte. Lewandowski studierte dort unter anderem bei Carl Friedrich Rungenhagen (1778–1851), dem stellvertretenden Direktor der Sing-Akademie in Berlin und Lehrer von Stanisław Moniuszko, einem der führenden Kompositionslehrer seiner Zeit.[3]
Lewandowskis Studium an der Akademie wurde durch eine schwere Nervenkrankheit unterbrochen, die mehrere Jahre andauerte. Während seiner Krankheit besuchte er ein Konzert des berühmten Kantors Hirsch Weintraub. Dessen Bearbeitungen liturgischer Musik beeindruckten den jungen Studenten so tief, dass er sich fortan der Synagogenmusik widmen wollte. 1844 wurde Lewandowski an der Alten Synagoge in Berlin angestellt, wo er den Chor gründete und leitete. Er wirkte dort 24 Jahre als Chorleiter und bereitete Aufführungen vorwiegend von Kompositionen Salomon Sulzers vor. Darüber hinaus führte er einige seiner frühen Chorwerke in vierstimmigen Bearbeitungen in das Repertoire ein.
1866 erhielt Lewandowski den Ehrentitel eines Königlichen Musikdirektors. Im selben Jahr, zwei Jahre nach der Einweihung der Neuen Synagoge in Berlin, wurde er Leiter ihres neuen Chors. Er wirkte auch als Lehrer, unter anderem am Jüdischen Pädagogischen Seminar, und war Ehrenpräsident des Kantorenverbandes. 1890 verlieh ihm die Königliche Akademie der Künste den Professorentitel. Zu diesem Zeitpunkt war Lewandowski, nicht zuletzt aufgrund seiner organisatorischen Arbeit und der Ausbildung zahlreicher bedeutender Kantoren, eine äußerst beliebte Persönlichkeit im jüdischen Musikleben.[4]
Lewandowskis Wirken war nicht nur von den reformatorischen Strömungen im jüdischen Religionsleben geprägt, sondern auch von dem einzigartigen Instrument, das ihm zur Verfügung stand. Neben Synagogenchören und Kantoren waren Orgeln in Berliner Synagogen bereits weit verbreitet, darunter das damals größte Synagogeninstrument, die Orgel in der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße. Auf dieser Grundlage führte Lewandowski eine feste Orgelbegleitung in seine Werke ein und schuf einige der bedeutendsten geistlichen Soloorgelwerke.
1871 veröffentlichte Lewandowski „Kol Rinah U'Tfillah“ (Die Stimme des Gesangs und des Gebets) – eine vollständige Sammlung von Musik für Schabbat und Feiertage. Sein bahnbrechendes Werk „Todah W'simrah“ (Danksagung und Gesang)[5] ist eine zweibändige Sammlung, die zwischen 1876 und 1882 erschien und Synagogenmusik für Solostimme, Chor und optionale Orgelbegleitung enthält. Bis heute werden beide Sammlungen zur Begleitung von Gottesdiensten in Synagogen verwendet, darunter auch in der berühmten Pestalozzi-Straße-Synagoge in Berlin, wo Lewandowskis liturgische Kompositionen und Bearbeitungen seiner Gebete von Kantoren, Chor und Orgel aufgeführt werden.
Lewandowski schrieb mehrere Sammlungen von Orgelwerken. Die erste davon waren die „Fünf Fest-Präludien“, Op. 1. 37, aus dem Jahr 1871. Mehrere unbetitelte Kompositionen für Orgel solo bilden einen Anhang zum zweiten Band von Todah W’simrah. Diese Werke wurden von den jüdischen Gemeinden in Nürnberg, München und Stettin in Auftrag gegeben und waren für die Aufführung während der stillen Gebetsphasen im Gottesdienst bestimmt – daher ihre unterschiedliche Länge und die Möglichkeit, sie in Fragmente zu unterteilen und selektiv aufzuführen.
Neben den oben genannten Werken veröffentlichte der Komponist Sammlungen von Werken für Tasteninstrumente (Orgel, Harmonium oder Klavier): Kleine Stücke für Harmonium, Orgel oder Klavier, Op. 44 (1891) und Synagogene-Melodien für Harmonium, Orgel oder Klavier, Op. 47 (1895)[6].
Louis Lewandowski starb am 3. Februar 1894. Sein Grab befindet sich in der Allee der Ausgezeichneten auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee.
[1] www.britannica.com/biography/Louis-Lewandowski, abgerufen am 11. März 2020.
[2] www.pw.ipn.gov.pl/pwi/historia/kulisy-powstania-wielko/8548,Wielkie-Ksiestwo-Poznanskie-Polacy-Niemcy-pruska-polityka-1815-1914.html, abgerufen am 11. März 2020.
[3] www.chronologia.pl/biogram-ruca17780927b0.html, abgerufen am 11. März 2020. [4] www.jewishencyclopedia.com/articles/9915-lewandowski-louis, abgerufen am 11. März 2020.
[5] L. Lewandowski, Todah W'simrah, Hrsg. Bote & G. Bock, Berlin 1876.
[6] T. Frühauf, Deutsch-jüdische Orgelmusik…, op. O., S. XII.
Wir feiern die Musik von Louis Lewandowski in vielen Konzerten. Auf dem Foto singe ich sie mit dem VRC-Chor unter der Leitung von Joanna Maluga im POLIN-Museum in Warschau.
